Ausgabe März 1990

Etappen der Arbeitszeitverkürzung in den 80er Jahren

Die Forderung nach der Einführung der 35-Stunden-Woche und der Kampf um ihre Durchsetzung war das beherrschende Thema der gewerkschaftlichen Tarifpolitik der 80er Jahre. Die Tarifrunde 1984 mit dem Arbeitskampf um den Einstieg in die Wochenarbeitszeitverkürzung wurde nach allgemeiner Einschätzung zur härtesten Tarifauseinandersetzung der Nachkriegszeit, nicht zuletzt, weil sie nach der eindeutigen Parteinahme der Bundesregierung für das Kapital rasch zur Auseinandersetzung um das politische Kräfteverhältnis in der Bundesrepublik überhaupt wurde. Eingeleitet wurde die Auseinandersetzung um die 40 Stunden-Woche schon zum Jahreswechsel 1978/1979.

Nachdem die IG Metall auf ihrem Gewerkschaftstag 1977 die Forderung nach der 35Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich beschlossen hatte, wurde sie in der Eisen- und Stahlindustrie 1978 erstmals zum Gegenstand eines Tarifkonflikts: In einem 44-tägigem Arbeitskampf mit Streik und Aussperrung wurde zwar die Einführung von 6 Freischichten für Schichtarbeiter und eine weitere Arbeitszeitverkürzung für Beschäftigte über 50 Jahre durchgesetzt, die 40-Stunden-Woche aber blieb bis Ende 1983 festgeschrieben.

Erst in der Tarifrunde 1984 wurde diese Schranke durchbrochen.

März 1990

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flucht vor der Verantwortung: Lieferkettengesetze am Ende?

von Merle Groneweg

Der 11. September erinnert nicht nur an den Einsturz des World Trade Centers in New York, sondern auch an eine der schwersten Katastrophen in der Textilindustrie: den Brand in der Fabrik Ali Enterprises in Karatschi, Pakistan.

Ohne EU-Mindestlohn kein soziales Europa

von Roland Erne

Nach Jahren antisozialer Politik infolge der Finanzkrise von 2008 standen soziale Fragen in der vergangenen Legislatur der EU wieder weiter oben auf der Agenda. Zwischen 2022 und 2024 verabschiedeten das EU-Parlament und der Rat seit langem wieder mehrere soziale EU-Gesetze, darunter die Richtlinie über „angemessene Mindestlöhne in der Europäischen Union“.