Ausgabe April 1990

Über Inhalt, Funktion und Stellenwert der Artikeldebatte

Ein Bericht zum Abschluß der ersten (Blitzkriegs-)Etappe des verhinderten Dritten Weltkriegs

In der ersten Märzhälfte 1990, in der mit der Niederschrift dieses Beitrags begonnen wird, spielt sie in der auf Orkanstärke angeschwollenen Rhetorik des deutschen Vereinigungsspektakels eine herausragende Rolle - die Debatte darüber, ob auf dem Weg gemäß Art. 23 GG oder auf dem von Art. 146 GG vorgezeichneten Weg der staatlichen Einheit von BRD 1) und DDR entgegengeschritten werden muß, kann oder sollte. Das einzig Erfreuliche daran ist, daß sie den einen oder anderen Zeitgenossen 2) auf die Idee bringen wird, doch einmal selbst das wenig bekannte Grundgesetz aufzuschlagen, um festzustellen, was da wirklich steht und was daraus geworden ist, wenn es nach vielen Zwischenstationen in diesen Tagen etwa einem ignoranten Pressebengel in die Feder oder Telelümmel aus dem Ohrfeigengesicht fällt. Unbestritten hängt von der Entscheidung über den Weg nicht zuletzt das Tempo des anvisierten Vereinigungsprozesses ab.

April 1990

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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