Ausgabe September 1990

Der Stille Krieg

Marktwirtschaft in der Dritten Welt

"Am bedeutungsvollsten in den 80er Der stille Krieg Jahren war die Schaffung eines weltweiten Konsensus, daß der Markt und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit... die beste Medizin gegen Armut sind." Weltbank-Präsident Barber Conable 1)

Wer etwas oft genug sagt, ohne auf Widerspruch zu stoßen, kann den größten Unsinn zur Diskussionsgrundlage machen. Genau das gilt für Conables, Bushs, Thatchers oder Kohls These, daß nicht staatliche Planung mit ihrer "zwangsläufigen" Mißwirtschaft, sondern nur die "freie" Marktwirtschaft mit ihren "harten, aber fairen" Regeln zu Wachstum und Wohlstand führt. Der Dritten Welt wird diese Karotte mehr denn je vor die Nase gehalten, seit der "reale Sozialismus" in den Frankfurter und Washingtoner Vorstandsetagen Bücklinge macht. Dabei zeigen selbst Statistiken der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds (IWF), der beiden internationalen Polizisten der westlichen Industrienationen, daß marktwirtschaftliche Entwicklungsprogramme (Stichwort Strukturanpassung) fast überall versagt haben. Die meisten Länder, die den Rezepten des IWF und der Bank folgen, sind jetzt zutiefst verschuldet; ihre Menschen leiden Armut und Hunger. Die sogenannte freie Marktwirtschaft hilft eben in erster Linie den Ländern, die ihre Spielregeln festlegen 2).

September 1990

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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