Ausgabe März 1991

Die andere Perspektive

Zur Reaktion der arabischen Welt auf das Vorgehen der Alliierten

Am 17. Januar 1991 begann mit der militärischen Auseinandersetzung am Golf, was der ehemalige stellvertretende US-Außenminister Richard Murphy einige Monate zuvor warnend als einen möglichen "ersten amerikanisch-arabischen Krieg" charakterisiert hatte 1). Für viele Menschen in der arabischen Welt erscheint der neue Krieg am Golf, Verschwörungstheorien aller Art haben Konjunktur, mehr noch, als ein anti-arabischer Kreuzzug unter amerikanischer Führung oder als Offenbarung einer langfristigen Strategie der USA, den Kolonialismus in die arabische Welt zurückzubringen 2). Die in der westlichen, wenn nicht der nördlichen, Öffentlichkeit nahezu übereinstimmend vertretene Auffassung, im Konflikt um Kuwait gehe es um eine Auseinandersetzung der Weltgemeinschaft mit dem Irak, ist nicht die einzig mögliche Sicht der Dinge. Es gibt eine andere, eine arabische, und vielleicht auch eine DritteWelt-Perspektive des Krieges, in der auch die Begründungen für den Truppenaufmarsch und -einsatz am Arabisch-Persischen Golf, die sich in den Resolutionen des UNO-Sicherheitsrats niedergeschlagen haben, in Frage gestellt werden. An drei Punkten soll dies deutlich gemacht werden: an der Frage der Legitimität, an der des Völkerrechts und an der beginnenden Debatte um eine Neuordnung des nah- und mittelöstlichen Raums nach dem Krieg.

März 1991

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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