Ausgabe Dezember 1993

Neulich im Irrenhaus

Eine Polemik zur Standortdebatte

Wer auf der Suche nach einem Feind der katholischen Kirche ausgerechnet auf den Papst kommen würde, erntete jene gleichermaßen Unverständnis und mildes Verzeihen zum Ausdruck bringenden Blicke, mit denen Gutmeinende offenbar geistig Verwirrten gegenübertreten. Wenn aber im Zuge der sogenannten Standortdebatte Nichtsahnende aus Politik, Medien und sogenannter Wirtschafts w i s s e n s c h a f t ausgerechnet in jenem Lande, das Exportweltmeister ist, auf die absurde Idee kommen, seine wirtschaftlichen Probleme, also Massenarbeitslosigkeit oder Staatsverschuldung, lägen in mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit begründet, traut sich keiner, diese als das zu bezeichnen, was sie doch offensichtlich sind - Irrsinnige.

Die wirtschaftlichen Probleme, die in der BRD existieren, sind nicht Folge mangelnder internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Sie existieren, o b w o h l die BRD Exportweltmeister ist. Die andauernde und noch steigende Massenarbeitslosigkeit und die sich herauskristallisierende Zwei-Drittel-Gesellschaft sind Produkt einer inzwischen eineinhalb Jahrzehnte andauernden Umverteilungspolitik von unten nach oben.

Dezember 1993

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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