Ausgabe Oktober 1994

Vormundschaftliche Demokratie

"Wahlkampfparolen wie biblische Heilsverheißungen: Der Wechsel sei nötig, möglich, gut für das Land und nahe das wollen Verheugen und Scharping in den kommenden Wochen verkünden." Und darüber mokiert sich die "Frankfurter Allgemeine" in einem Bildtext zum SPD-Wahlkampfauftakt. (FAZ, 10.8.1994) Symptom des geistigen Klimas, in dem die Kampagne 1994 stattfindet: Nach fünf Jahren "Revolution", "Epochenbruch", "Ende der Geschichte" oder "Tod der Utopie" erscheint hier das kleine 1x1 der parlamentarischen Demokratie, der Machtwechsel und die Aufgabe der Opposition, ihn zu betreiben, als utopischer, quasireligiöser Extremismus...

Eine wählerverachtende Kampagne

Ärgernis 1: Der eigentliche Skandal dieses Wahljahres - ein seit 12 Jahren amtierender Bundeskanzler läßt das Land ersichtlich in eine beschäftigungspolitische Katastrophe treiben, aber die Opposition zeigt sich nicht einmal fähig, dies wirklich zu thematisieren.

Oktober 1994

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Uganda vor dem Putsch des Löwen?

von Johanna-Marie Lange

Es war kurz nach Mitternacht Ende Juni, als Soldaten das Gebäude der Nation Media Group in Ugandas Hauptstadt Kampala stürmten und den wichtigsten unabhängigen Fernsehkanal NTV abschalteten. Auch die älteste und größte unabhängige Tageszeitung »Daily Monitor« wurde geschlossen.

Kuba am Abgrund: Wo bleibt die EU?

von Sandra Weiss

Als 1989 die Berliner Mauer fiel, sich kurz danach die Sowjetunion auflöste und langjährige kommunistische Verbündete wie Vietnam und China einen wirtschaftlichen Reformprozess starteten, schien auch auf Kuba der Moment des Umbruchs gekommen.