Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) versteht sich neben der Weltbank und oft in Konkurrenz zu dieser - als eine Leitinstitution der internationalen Entwicklungspolitik. Im Bewußtsein der Unzulänglichkeiten des üblicherweise benutzten Indikators für den Entwicklungsstand eines Landes das Bruttosozialprodukt pro Kopf der Bevölkerung - berechnet UNDP seit 1990 einen "Index der menschlichen Entwicklung" (IME), dessen Ergebnisse im jährlich erscheinenden Bericht "Human Development Report" veröffentlicht werden. Dieser Index, zusammengesetzt aus Kennziffern für die Lebenserwartung, den Bildungsstand und die Kaufkraft der Durchschnittseinkommen, erlaubte es bislang nur, eine Rangskala von zuletzt 173 Staaten der Welt aufzustellen, von Nr. 1 (Kanada) bis zum Schlußlicht Guinea: Im Zeitablauf konnte lediglich verfolgt werden, ob sich die Situation eines Landes im Verhältnis zu den anderen verändert hat - absolute Verbesserungen oder Verschlechterungen des Standes der menschlichen Entwicklung waren dagegen nicht zu ermitteln. Im jüngsten Bericht für 1994, gewidmet der Vorbereitung des Weltgipfels der sozialen Entwicklung in Kopenhagen im März 1995, wurde nun eine gründliche Neuberechnung des IME vorgestellt, die absolute Vergleiche im Zeitablauf zuläßt.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.