Ausgabe September 1995

Türken und Kurden in Deutschland

Als die Bundesrepublik ab 1959 Anwerbeabkommen mit unterschiedlichen Staaten unterzeichnete, um den Arbeitskräftemangel der damals boomenden Industrie zu decken, hätte keiner gedacht, daß damit auch zahlreiche Probleme ins Land geholt werden würden. "Wir haben Arbeitskräfte gerufen, statt dessen sind Menschen gekommen", sagte ein berühmter Schriftsteller. Eine neue Version, umgeformt nach heutigen Verhältnissen, könnte lauten: "Wir haben Türken geholt, statt dessen sind Kurden, Tscherkessen, Lasen, Aleviten und Sunniten gekommen". Welche religiöse und ethnische Vielfalt in dem Begriff "Türken" steckt, wußte die deutsche Bevölkerung bisher nicht.

Es hat auch keinen interessiert. Erst die sich häufenden Gewaltakte seitens der PKK brachten die Bevölkerung nach und nach dazu, sich damit auseinanderzusetzen. Was geschieht in der Türkei, wie und warum spiegeln sich die Ereignisse in der Bundesrepublik wider? Gegenwärtig hat die Bundesrepublik 1,9 Millionen türkische Einwohner. Sie bilden inzwischen nach den Deutschen die größte Wohnbevölkerung. Nirgendwo auf der Welt sind türkische Bürger im Ausland zahlenmäßig so stark vertreten wie in der Bundesrepublik.

September 1995

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