Die - euphemistisch ausgedrückt - Unzulänglichkeit gegenwärtiger europäischer Sicherheitsinstitutionen, -mechanismen und -strategien ist evident und bedarf keiner weiteren Begründung. Somit ist die Schaffung einer Sicheitsstruktur die den seit 1989/91 grundsätzlich veränderten politisch-strategischen Rahmenbedingungen in Europa entsprechen würde, eine der dringendsten und wichtigsten Aufgaben für alle europäischen Staaten und entsprechende internationale Organisationen. Das Ende der Ost-West Konfrontation hat eine historische, unwiederholbare Chance der Errichtung eines kooperativen Systems der gemeinsamen, alleuropäischen, politisch-militärischen, sozialwirtschaftlichen, humanitären und ökologischen Sicherheit eröffnet. Die gemäß der Pariser Charta 1990 reformierte und gestärkte KSZE/OSZE, in enger Zusammenarbeit mit solchen Organisationen wie der EU, WEU und der NATO, könnte angemessene Grundlage und Rahmen für die Bildung des erwähnten Systems sein. Diese Chance wurde aus verschiedenen subjektiven wie auch objektiven Gründen, vor allem wegen der tragischen Ereignisse von 1991, nicht voll genutzt. Sie unterliegt einer ständigen Erosion. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt eindeutig, daß militärische Mittel für die Lösung oder Bewältigung der vor Europa und der Welt stehenden Probleme, Krisen und Herausforderungen untauglich sind.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.