Ausgabe November 1995

Opfer der Pflicht

Kanther und die sieben Sudanesen

Am Donnerstag, den 27. Juli 1995 treffen auf dem Frankfurter Flughafen Rhein-Main zehn sudanesische Flüchtlinge ein. Einer der jungen Männer wird vom Bundesgrenzschutz sofort in den Sudan zurückgeschickt, zwei dürfen später einreisen, um ihre Anträge auf Asyl außerhalb des Transitraums bearbeiten zu lassen. Als die sieben im Transitraum verbliebenen Sudanesen erfahren, daß der eine, den man zurückgeschickt hat, nicht bei seinen Eltern eingetroffen ist, bekommen sie Angst, ebenfalls abgeschoben zu werden und beginnen einen Hunger- und Durststreik. Der Flughafen-Sozialdienst erfährt am Freitag, den 4. August, davon. "So wurde aus der alltäglichen Routine ein Fall", sagt JeanClaude Diallo, Leiter der Abteilung Ökumene und Ausländerarbeit des Evangelischen Regionalverbandes in Frankfurt und zuständig für den Flughafen-Sozialdienst. Täglich befinden sich zwischen 90 und 150 Flüchtlinge im Flughafengebäude C-182, "dem Niemandsland für Leute, die niemand haben will" ("Die Zeit").

November 1995

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema