Hans Konings Artikel in dieser Ausgabe - über ein fortlebendes deutsches Verlangen nach verlorenen Besitztümern und Gebieten gibt Gelegenheit, sich an die Beständigkeit deutscher Sorgen zu erinnern - und daran, warum der Rest der Welt sich seit so langer Zeit dieser Sorgen wegen sorgt. - Mit diesen Worten begann jüngst ein Editorial des "Atlantic Monthly", das sich ausschließlich mit Koning, dem amerikanischen Erfolgsautor, der als Heranwachsender aus den deutsch besetzten Niederlanden geflohen und britischer Soldat geworden war, und seinem Thema des Monats befaßt - der unendlichen Geschichte namens Deutsche Einheit. Das liberale Monatsblatt aus Boston, gegründet 1857, erinnert: "Die Entwicklung des modernen deutschen Staates ... vollzog sich vollständig innerhalb der Lebenszeit des Atlantic Monthly, und immer wieder haben Autoren auf unseren Seiten die Konsequenzen nachgezeichnet." Nach anfänglicher Sympathie mit der Einigung, auch noch nach 1870/71, "wurden die Artikel innerhalb weniger Jahrzehnte entschieden bedenklicher, Würdigungen der wachsenden wissenschaftlichen, kulturellen und industriellen Macht Deutschlands traten hinter mahnende Erkundungen des 'deutschen Geistes(zustands)' (The German Mind) zurück.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.