Ausgabe Juni 1997

Rot-grünes NRW: Ende offen

Zwei Jahre nach den letzten NRW-Landtagswahlen hält die rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen nun länger als die erste rotgrüne Runde in Hessen. Es war für die alte Industriepartei SPD nicht leicht, sich nach 15 Jahren Alleinregierung in NRW auf eine neue Politik einzulassen. Im Mittelpunkt der Koalitionskonflikte steht bis heute immer wieder die Frage, wie eine ökologisch und ökonomisch gleichermaßen erfolgreiche Politik aussehen könnte. Daß sich die Ziele Umweltschutz und Arbeitsplätze vereinbaren lassen, zeigt die grüne Umweltministerin Bärbel Höhn mit verschiedenen Projekten. Aus der Abwasserabgabe legte sie ein 255-Mio.-DM-Investitionsprogramm "Ökologische Abwasserwirtschaft" auf. Geld, das unter der SPD-Alleinregierung noch für überdimensionierte Kanalbauten ausgegeben wurde, fließt heute in viele kleine Maßnahmen, die ökologisch effektiver sind und gleichzeitig mehr Arbeitsplätze schaffen. Das auf grüne Initiative eingeführte Programm "Regionale Vermarktung" verbessert etwa die Voraussetzung für den Direktverkauf landwirtschaftlicher Produkte vor Ort, wodurch die NRW-Landwirtschaft ökonomisch gestärkt wird.

Durch das enge Verhältnis zwischen landwirtschaftlichen Erzeugern und Verbrauchern entsteht außerdem ein starker Anreiz zur Ökologisierung der Produktion.

Juni 1997

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