Ausgabe Januar 1998

Mut zum Reichtum

"Eure Armut kotzt mich an!" Diesen Aufkleber habe ich vor einigen Tagen auf einem flotten Jeep in Bonn gesehen. Er zeigt die erstarkende Selbstachtung in der deutschen Leistungsträgerschaft und einen neuen Mut zur sozialen Differenzierung. Und ist diese Art von Selbstbewußtsein nicht genau das Genesungsferment, das unsere sieche, sozial überversicherte Gesellschaft so dringend braucht? "Um die Erfinder neuer Werte dreht sich die Welt" - so wiederholt es geradezu ostinat Friedrich Nietzsche schon im "Zarathustra", wo er einer christlichen Entsagungs- und Mitleidsmoral den Todesmarsch bläst. Bekennender Egoismus und Mut zum unverhohlen provokanten Reichtum - das sind diesmal offenbar Grundwert und Leitmotiv einer neuen Epoche. Schon ziemlich deprimiert haben mich all die Horrormeldungen über den Verfall des Wirtschaftsstandortes Deutschland und die Verarmung seiner Eliten, die vom erbarmungslosen Zugriff des Fiskus und der Sozialkassen kaum das Notwendigste über die luxemburgische und Schweizer Grenze haben retten können. "Unternehmensrenditen - zum Leben zu wenig!" - so übertitelte das Institut der Deutschen Wirtschaft im Juni seinen Report über das Elend in derselben ("iwd-Infommationsdienst", 5.6.1997).

Etwas Trost fand ich in der Autobeilage einer Tageszeitung.

Januar 1998

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