Ausgabe Februar 1998

Von der Lebensstandardsicherung zur Einkommensorientierung

Die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes in der Sozialpolitik

Die derzeitige Rentendebatte ist symptomatisch für ein seit längerem schwelendes Dilemma bundesdeutscher Sozialpolitik: sie wird in weiten Teilen nicht verstanden. Vorschläge und Gegenvorschläge - der interessierte Laie hat den Überblick längst verloren. "Kürzung", das kommt von den Regierungsvorstellungen allenthalben beim Bürger an, wenn auch erst so richtig ab 2030. "Umschichtung" von Beitrags- und Steuermitteln kommt bei den Oppositionspolitikern herüber.

Doch die Zahlenschlachten dürften für die Bürger nicht mehr nachvollziehbar sein. Sozial-, Finanz- und Haushaltspolitik, so die reflexartige Verteidigung vieler Experten, seien nun einmal vernetzt und kompliziert. Sie lasse sich nicht leicht "rüberbringen". Dies sei zugestanden.

Doch geht das Argument am Problem vorbei. Man kann getrost davon ausgehen, daß all die Details, die da so mühsam transportiert werden sollen, den Wähler kaum interessieren. Er ist in der Regel nicht erpicht auf Zahlenkolonnen, die Präsentation von Auftragsgutachten mit wenig überraschenden Ergebnissen, die Mahnungen von Lobbyisten und das Fachlatein Sachverständiger.

Februar 1998

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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