Ausgabe August 1998

Selbstachtung und nationale Kultur

Zur politischen Ethik multikultureller Gesellschaften

 Für die mannigfachen Probleme und vielfältigen Konflikte, die die sich selbst nicht anerkennende, sozialstaatlich verfaßte Einwanderungsgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland hervortreibt, wird von progressiver Seite gerne ein Patentrezept angeboten: Deutschland, so heißt es, müsse endlich zu einer zivilen, einer multikulturellen Gesellschaft werden; die Transformation vom autoritär fixierten Wohlfahrtsstaat zu einer ebenso individualistischen wie solidarischen Zivilgesellschaft sei unumgänglich! 1) Ein neuerer Vorschlag hierzu, in der politischen Philosophie schon seit längerem vorbereitet, ist 1995 in den USA und in Kanada publiziert worden: das Projekt einer sozialstaatlich moderierten Immigrationsgesellschaft auf der Basis universalistischer Grundhaltungen und einer umfassenden nationalen Kultur. 2) Ich will diesen Vorschlag in vier Schritten erläutern, in denen es vor allem um den zentralen Begriff der Selbstachtung geht. Nach einer einführenden Bemerkung zum Verhältnis von Individualismus und Selbstachtung (1) wird ein differenzierter Begriff der multikulturellen Gesellschaft und ihrer Gruppen vorgeschlagen (2) sowie das Verhältnis von Selbstachtung und Immigration skizziert (3).

August 1998

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