In Moskau geht die Ära Jelzin zu Ende. Nach der Sommerkrise ist Boris Jelzin nur noch ein kränkelnder Mann, der, wenn es gut läuft, noch die Aufgabe erfüllt, den Übergang zum nächsten Präsidenten vorzubereiten. Die politische Tagesordnung erledigt derweil Jewgeni Primakow. Wer immer Boris Jelzins Nachfolger sein wird, eins wird auf jeden Fall für ihn gelten: Er wird mehr auf die russischen Regionen hören müssen. Die Krise des Präsidenten ist zugleich auch die Krise des Moskauer Zentralismus oder - positiv formuliert - Ausdruck gewachsener Bedeutung der russischen Regionen. Das Ende der Ara Jelzin ist zugleich ein Wendepunkt bisheriger westlicher Rußlandhilfe. Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist wegen seiner Mißerfolge selbst in den eigenen Reihen in die Kritik gekommen; in Bonn ist der Machtwechsel vollzogen: Statt Helmut Kohl bestimmt nun Gerhard Schröder die Richtlinien der Politik, auch der Außenpolitik - statt eines Klaus Kinkel wird ein Josef Fischer sie ausführen. Daß Boris Jelzin nach Alexander Lebed, Gennadij Sjuganow und einer Reihe anderer Politiker als letzter auf seiner Besuchsliste stand, damit setzte der neue Bundeskanzler bei seinem Antrittsbesuch in Moskau ein Zeichen.
Das Timing hätte nicht besser sein können. Kaum hatten Ende April Delegierte aus 57 Staaten die weltweit erste Konferenz zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen verlassen, gab es neue Hiobsbotschaften vom Ölmarkt.