In der Netz- und Druckversion von Martin Walsers mittlerweile berüchtigter Friedenspreisrede fehlt ein charakteristischer Passus, der die (zuerst in der FAZ gedruckte) Redeversion noch zierte: es handelt sich um den nur pro familia (propria) zu lesenden Hinweis auf die literarischen Verdienste der eigenen Tochter. Möglicherweise liegt in diesem Schlenker ein Hinweis auf den gemeinten Sinn des schillernden Textes, der die diesem sogleich zugewachsene öffentliche Bedeutung doch allzu frivol zu konterkarieren drohte. Nachdem die massenmediale Resonanz nicht umhin kam, sogleich die üblichen Verdächtigen ins Visier zu nehmen (als da sind: Antisemitismus, Vergangenheitsbewältigung und Schlußstrichmentalität), geriet ein doch immerhin erwartbares Motiv gemeiner Autoreneitelkeit ganz unberechtigt in den Hintergrund: der von machtnahen politischen Literaturagenten wie Frank Schirrmacher angefachte Drang des streitbaren Friedenspreisträgers nach nationaler Repräsentanz des eigenen Schaffens. Wäre die Rechnung aufgegangen, so hätte die zwanglose Einbeziehung der eigenen Sippe einen sympathisch persönlichen Farbtupfer im nationalen Ernst der schwarz-rot-goldenen Repräsentationspflicht abgegeben. Die rhetorische Architektur der Friedenspreisrede wäre in drei Überschriften zu rekonstruieren, und die müßten lauten: 1.
In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.