In der Netz- und Druckversion von Martin Walsers mittlerweile berüchtigter Friedenspreisrede fehlt ein charakteristischer Passus, der die (zuerst in der FAZ gedruckte) Redeversion noch zierte: es handelt sich um den nur pro familia (propria) zu lesenden Hinweis auf die literarischen Verdienste der eigenen Tochter. Möglicherweise liegt in diesem Schlenker ein Hinweis auf den gemeinten Sinn des schillernden Textes, der die diesem sogleich zugewachsene öffentliche Bedeutung doch allzu frivol zu konterkarieren drohte. Nachdem die massenmediale Resonanz nicht umhin kam, sogleich die üblichen Verdächtigen ins Visier zu nehmen (als da sind: Antisemitismus, Vergangenheitsbewältigung und Schlußstrichmentalität), geriet ein doch immerhin erwartbares Motiv gemeiner Autoreneitelkeit ganz unberechtigt in den Hintergrund: der von machtnahen politischen Literaturagenten wie Frank Schirrmacher angefachte Drang des streitbaren Friedenspreisträgers nach nationaler Repräsentanz des eigenen Schaffens. Wäre die Rechnung aufgegangen, so hätte die zwanglose Einbeziehung der eigenen Sippe einen sympathisch persönlichen Farbtupfer im nationalen Ernst der schwarz-rot-goldenen Repräsentationspflicht abgegeben. Die rhetorische Architektur der Friedenspreisrede wäre in drei Überschriften zu rekonstruieren, und die müßten lauten: 1.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.