Ausgabe März 1999

Die Gewöhnung der Bundesbürger an ihre Republik

Streiflichter auf die westdeutsche Mentalität

In einem der ersten der mittlerweile unzähligen Bildbände über die 50er Jahre wurde ein eher abseitig erscheinender Einstieg gewählt, der dennoch ins Zentrum westdeutscher Mentalität in der Zeit des Wiederaufbaus führt. Wiedergegeben sind die Inhalte von Anzeigen, die in keiner Illustrierten oder Zeitung fehlen durften, über Mittel gegen eine scheinbar gefährliche Seuche: "Es hat ein schöner Abend werden sollen: Sie hatte sich extra die Haare frisch ondulieren lassen und ihr festliches Piqué-Kleid angezogen, denn zum ersten Mal hatte er sie eingeladen, abends mit ihm auszugehen. Gern hatte sie ihm zugesagt, war er doch ein Mann, der es so kurz nach der Währungsreform schon zu etwas gebracht hat und bei dem sie sicher sein konnte, daß er es ernst meint. Er hatte sie auch gefragt, ob sie Lust hätte, nach dem Theater im neueröffneten Chianti-Keller ein Glas italienischen Rotwein mit ihm zu trinken. Erwartungsfroh läßt sie sich nach der Vorstellung von ihm als Kavalier mit guten Manieren in den Mantel helfen.

März 1999

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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