Die algerischen Präsidentschaftswahlen vom 15. April haben die Versprechen des Wahlkampfs nicht erfüllt. Der Rückzug der Kandidatur von sechs der sieben Bewerber (Mouloud Hamrouche, Ahmed Taleb Ibrahimi, Hocine Ait-Ahmd, Youcef Kalib, Abdullah Djaballah und Mokdad Sifi) hat das regierungsamtliche Ergebnis jeder Glaubwürdigkeit geraubt und dem neuen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika - wie zu Zeiten der Einheitspartei einziger Kandidat - einen schwierigen Start bereitet. Er hat das höchste Amt im Staat ohne die Legitimität angetreten, die er zur Stabilisierung der Lage eines seit sieben Jahren in der politischen Krise steckenden Landes gebraucht hätte. Der von den anderen Kandidaten kritisierte Status quo ist so erhalten geblieben. Zumindest an der Oberfläche hat sich seit der Ära von Bouteflikas Vorgänger, Liamine Zeroual, nichts geändert. Es genügt, sich das aktuelle politische Personal anzuschauen, das identisch geblieben ist - weder im Wahlkampf noch nach der Wahl ist in Ahdelaziz Bouteflikas Umfeld eine einzige unverbrauchte Persönlichkeit aufgetaucht -, um festzustellen, daß das herrschende System sich selbst perpetuiert hat.
In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert.