In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten trug die Politik der großen westlichen Industrieländer das Ihre dazu bei, die nationalen Märkte und den Weltmarkt weitgehend zu deregulieren. Die Waren- und Kapitalströme sind breiter geworden, laufen schneller und erreichen inzwischen die letzten Winkel des Globus. Das gilt insbesondere für die Finanzströme, die Jahr um Jahr mit zweistelligen Raten gewachsen sind. Globalisierung wird daher zu Recht als Kompression von Zeit und Raum charakterisiert. 1) Moderne Kommunikationsmedien und Transporttechniken lassen die Distanzen zwischen konkreten, weit auseinanderliegenden Orten zusammenschmelzen, so daß Investoren in der Lage sind, sehr schnell große Finanzsummen von einem Ort abzuziehen und woanders wieder anzulegen - je nach Renditeerwartung. Die Verdichtung von Raum und Zeit dehnt sich auch auf die natürliche Umwelt aus. Denn die Beschleunigung gelingt nur mit Hilfe fossiler Energieträger. Hindernisse natürlicher Landschaften werden eingeebnet, um die Zirkulationskosten des Kapitals zu senken. Globalisierung bedeutet Expansion in alle Räume, auch in die bislang unzugänglichen Räume des erdnahen Weltalls, der Tiefsee und in die Nanowelt der Gene und Genome.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.