Diejenigen, die an der Macht von Ideen zweifeln, werden durch den vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der weltweit größten Behörde für multilaterale Entwicklungszusammenarbeit, herausgegebenen neuen Bericht über die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa eines Besseren belehrt. Dieser Bericht, womöglich der härteste jemals von einer UN-Unterorganisation publizierte, gelangt zu dem Ergebnis, daß der vom Westen inspirierte Versuch, die Wirtschaften des einstigen Ostblocks durch eine vollständige Privatisierung zu transformieren, über 100 Millionen Menschen in furchtbare Armut gestürzt und weiteren Millionen jede wirtschaftliche Sicherheit genommen hat. Dies geschah auf den Rat einer westlichen Gemeinschaft aus Wirtschaftswissenschaftlern von Universitäten, internationalen Behörden und Regierungen. Unter den Fachleuten gab es Befürworter wie Gegner einer bigbang-Privatisierung: alles auf einmal durchzuziehen und die Überlebenden ihrem Schicksal zu überlassen - entweder sie gehen unter oder sie schwimmen. Wenn überhaupt so traten nur wenige Ökonomen dafür ein, daß ein Staat sowjetischen Typs und dessen Industrie vorsichtig und in Stufen abgebaut werden sollte, unter empirischer Kontrolle der Folgen, vor allem der für das Gemeinwesen.
Die Kluft zwischen Arm und Reich wächst seit Jahrzehnten und erreicht inzwischen demokratiegefährdende Ausmaße. Dabei droht die neoliberale Ökonomisierung der Politik in eine autoritäre Politisierung der Ökonomie zu kippen, die nicht nur die Demokratie, sondern auch den Wettbewerb untergräbt.