Diejenigen, die an der Macht von Ideen zweifeln, werden durch den vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP), der weltweit größten Behörde für multilaterale Entwicklungszusammenarbeit, herausgegebenen neuen Bericht über die ehemalige Sowjetunion und Osteuropa eines Besseren belehrt. Dieser Bericht, womöglich der härteste jemals von einer UN-Unterorganisation publizierte, gelangt zu dem Ergebnis, daß der vom Westen inspirierte Versuch, die Wirtschaften des einstigen Ostblocks durch eine vollständige Privatisierung zu transformieren, über 100 Millionen Menschen in furchtbare Armut gestürzt und weiteren Millionen jede wirtschaftliche Sicherheit genommen hat. Dies geschah auf den Rat einer westlichen Gemeinschaft aus Wirtschaftswissenschaftlern von Universitäten, internationalen Behörden und Regierungen. Unter den Fachleuten gab es Befürworter wie Gegner einer bigbang-Privatisierung: alles auf einmal durchzuziehen und die Überlebenden ihrem Schicksal zu überlassen - entweder sie gehen unter oder sie schwimmen. Wenn überhaupt so traten nur wenige Ökonomen dafür ein, daß ein Staat sowjetischen Typs und dessen Industrie vorsichtig und in Stufen abgebaut werden sollte, unter empirischer Kontrolle der Folgen, vor allem der für das Gemeinwesen.
Es sollte der Durchbruch werden, mit dem die schwarz-rote Bundesregierung vor den so wichtigen Herbstwahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ihre Tat- und Schaffenskraft demonstrieren wollte: Friedrich Merz, Lars Klingbeil, Bärbel Bas und Markus Söder stellten am 2. Juli ein 34 Punkte umfassendes Reformpaket vor.