Ausgabe November 1999

Ein Deutschland, das Nein sagen kann

Dieses Interview hat zwei Anlässe, der eine objektiver, der andere subjektiver Art. Zu den vielen 50. und 10. Jahrestagen kommt am 9. November der Tag der "Maueröffnung". Und am 23. November wird "Blätter"-Mitherausgeber Günter Gaus 70. Ihm widmen wir das folgende Gespräch mit dem in deutsch-deutschen Dingen so kompetenten Akteur, Zeitzeugen und - ein wichtiges ostpolitisches Stück weit - Weggefährten Egon Bahr. - D. Red.

"Blätter": Als wir dieses Gespräch vereinbarten, ersetzten Sie unseren Arbeitstitel "50:10", also 10 Jahre "deutsche Einheit" vor dem Hintergrund des 50jährigen Bestehens der Bundesrepublik, durch die Formel 40:40: 10. Darin stecken spannende Fragen. Zum Beispiel die, ob 1989 nicht nur die DDR, sondern mit ihr zugleich auch die - sogenannte alte - Bundesrepublik untergegangen oder, weniger drastisch gesprochen, "an ihr Ende gekommen" ist.

Egon Bahr: Ich finde, in der Formulierung "50:10" - oder "50 und davon 10" - steckt eben diese wahnsinnige Überheblichkeit der alten Bundesrepublik.

November 1999

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Holger Friedrich und die OAZ: Wie ein Verleger Demokratiefeinde hofiert

von Matthias Meisner

Auf dem deutschen Medienmarkt gibt es seit Ende Februar eine neue Zeitung. Das ist angesichts der andauernden Krise der Printmedien bemerkenswert. Doch über die »Ostdeutsche Allgemeine Zeitung« gibt es noch weit mehr zu sagen.