Es hatte so hoffnungsvoll angefangen. In ihrer Koalitionsvereinbarung vereinbarten die Fraktionen der rot-grünen Bundesregierung 1998 die Einrichtung einer Bundesstiftung "Entschädigung für NSZwangsarbeit" unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft. Die Umsetzung dieses Projektes ist seither an eine Selbsthilfegruppe der deutschen Wirtschaft unter dem klangvollen Titel Stiftungsinitiative "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" delegiert. Diese Initiative glaubte ursprünglich, die Entsorgung ihrer Geschichte für zwei Milliarden Mark einkaufen zu können. Die Überlebenden sollten davon gerade einmal die Hälfte bekommen, mit der anderen wollte man Zukunftsprojekte finanzieren. Ganz so günstig war der Ablaß denn doch nicht zu haben. Auf einem mit beträchtlichem Aufwand inszenierten PR-Event am 17. Dezember 1999 wurde das amtliche Endergebnis des einjährigen Ringens um die späte Kompensation der ehemaligen Sklaven bekannt gegeben: Zehn Milliarden Mark, je zur Hälfte aufgebracht von Wirtschaft und öffentlicher Hand, sollen eine zukünftige Bundesstiftung speisen.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.