Ausgabe Juli 2000

Fremdvölkische im Reichseinsatz

Eine Einführung zum Thema NS-Zwangsarbeit

Die Zwangsarbeit im nationalsozialistischen Deutschland war der größte Fall der massenhaften, zwangsweisen Verwendung von ausländischen Arbeitskräften in der Geschichte seit dem Ende der Sklaverei, wie Ulrich Herbert, der Pionier der historischen Forschung zur NS-Zwangsarbeit, formulierte. 1) Zwangsarbeiter stellten im Spätsommer 1944 in Deutschland etwa ein Viertel aller in der gesamten Wirtschaft beschäftigten Arbeitskräfte. Insgesamt mindestens 10 Millionen Menschen waren als ausländische Zwangsarbeiter aus 18 Ländern in Deutschland eingesetzt. In jeder Stadt lassen sich zahlreiche Zwangsarbeiterlager nachweisen, die als Baracken unmittelbar auf den Zechen- und Industriegeländen oder in Sälen ehemaliger Gaststätten und Schulen errichtet wurden. Man unterscheidet vier Gruppen von Zwangsarbeitern: 1. Ausländische Zivilisten, die die überwältigende Mehrheit der Zwangsarbeiter stellten. 2. Ausländische Kriegsgefangene, vor allem Polen, Russen und Franzosen. 3. KZ- und Polizeihäftlinge, zu denen auch Insassen von Arbeitserziehungslagern gehörten, die ich im Rahmen meiner Promotion erforscht habe. 4. Europäische Juden, die vor ihrer Deportation in die östlichen Ghettos und Vernichtungslager Zwangsarbeit im Reich leisten mußten und seit 1944 wieder als KZ-Häftlinge in Deutschland arbeiteten.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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