Wenn die Vergangenheit auf die Zukunft schließen läßt, empfiehlt es sich, die Geschichte der Kosovo oder Kosovo-Metohija genannten Region im Auge zu behalten. Nach dem Fall des serbischen Königtums im 14. Jahrhundert wurde diese zumeist von fremden Mächten beherrscht, fast 500 Jahre lang von den Osmanen und danach für jeweils kurze Zeit von Österreichern, Bulgaren, Italienern und Nazideutschen. Albaner würden dieser Liste die Serben hinzufügen, Serben hingegen die Albaner. Die letzte Ergänzung, der alle zustimmen könnten, sind jedoch NATO und UNO. Da haben wir nun also ein weiteres Protektorat unter amerikanischer Ägide, aber für wie lange? Angesichts der Lektionen von Somalia und anderer unangenehmer Erlebnisse kreierte die ClintonAdministration eine neue Doktrin für den Einsatz amerikanischen Soldaten, die an den Titel der Frank Buck-Geschichten meiner Kindheit erinnert: "Bringt sie lebend zurück!" 1) Da hocken die GIs in ihren fast uneinnehmbaren Festungen wie in Camp Bondsteel, patroullieren mit gepanzerten Fahrzeugen und schweren Waffen wie durch Feindesland und "treten auf der Stelle", wie es Stabschef Henry Shelton ausdrückte, getreu der Anweisung, nichts zu unternehmen, was in ihren Reihen zu Gefallenen führen könnte.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.