Ausgabe März 2001

Gewalt, Profit und Propaganda

Konturen des rechtsextremen Musik-Netzwerks

Skinheads - rechte Jugend-Subkultur - rechtsextreme Musik: einige Bezeichnungen für ein Phänomen, das derzeit Sicherheitsbehörden, Pädagogen und Sozialwissenschaftler gleichermaßen beschäftigt. Noch scheint unklar, worum es sich hierbei genau handelt. Manche Beobachter sehen die Musik der Neonazis bereits als bestimmenden Trend der Populärkultur: "Nazis sind Pop", titelt beispielsweise das Berliner Stadtmagazin "Zitty". Als Beleg für diese These werden erfolgreiche Interpreten wie Joachim Witt mit seinem Lied "Wann kommt die Flut" und Bands wie Rammstein oder die Böhsen Onkelz angeführt. Aus dieser Perspektive scheint der Mainstream der Jugend-Musikkultur immer stärker von rechtsextremen Inhalten dominiert. 1) Andere Autoren entdecken eine rechtsextreme Subkultur, die sie mit Attributen früherer Jugendszenen versehen. Hier drücke sich, ähnlich wie in der Vergangenheit bei Halbstarken, Rockern oder Punks, jugendlicher Protest und das Streben nach Autonomie und Selbstverortung in der Welt der Erwachsenen aus. Die Dynamik dieser Subkultur - bei der zunächst an die Skinheads gedacht wird müßte folglich mit ähnlichen Methoden und Ansätzen analysiert und erklärt werden wie andere Jugend-Subkulturen auch. Einer näheren Betrachtung halten diese Interpretationen nicht Stand.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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