Ausgabe Mai 2001

Innenansichten eines ehrgeizigen Projekts

Die Berliner Republik läßt bauen

Anfangs ist vom Bauen noch gar nicht die Rede, sondern - sehr diskret - von unversehens weit geöffneten Perspektiven: Kaum, dass der formell noch bestehenden DDR mit der Währungs-Union ökonomisch endgültig der Boden unter den Füßen fortgezogen wird, veranlassen Ältestenrat und Haushalts-Ausschuss des westdeutschen Bundestages die Regierung im September 1990, alle für einen Regierungsumzug von Bonn nach Berlin brauchbaren innerstädtischen Liegenschaften aus der nun verfügbaren Erbmasse der DDR quantitativ zu erfassen. Schon vier Monate später, im Februar 1991, legt die Bundes-Bauverwaltung ein Konvolut von 73 Seiten vor, das mit 41 Positionen ein Potential von insgesamt fast einer halben Million Quadratmetern Nutzfläche auflistet. Wahrscheinlich soll die überraschende Eilfertigkeit von vornherein nur dazu dienen, dem Staat angesichts der losbrechenden "reconquista" privater Investoren im "Beitrittsgebiet" einen kleinen Vorsprung zu verschaffen, zumindest in der potentiellen Hauptstadt. Als der Bedarfsfall endlich rechtskräftig wird, denkt gewiss niemand im Ernst mehr daran, den Raumbedarf einer an die Spree wechselnden Bundesregierung auf derart sparsame, vor allem aber wenig repräsentable Weise befriedigen zu wollen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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