Ausgabe September 2001

Vom starken zum effektiven Staat

Wladimir Putins Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell

Was der russische Präsident Wladimir Putin anstrebt, stand für viele Beobachter schon kurz nach seinem Amtsantritt fest: Er verfolge vor allem das Ziel eines starken Staates (mit ihm selbst an der Spitze) und besitze eine autoritäre und patriotische Grundeinstellung. 1) Diese Interpretation kann sich allerdings nicht auf Aussagen des Präsidenten berufen, sie muß eine erhebliche Differenz zwischen seinen Worten und seinen wahren Absichten unterstellen. Gegen eine derartige Ansicht spricht, daß Putins Ausführungen zur Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft für demagogische Zwecke denkbar ungeeignet sind. Bei der breiten Bevölkerung dürften sie eher auf Ablehnung stoßen, da sie traditionelles russisches Gedankengut verwerfen. In intellektuellen Kreisen heißt nur die Minderheit der "Liberalen" sie uneingeschränkt gut. Um sich beim Westen einzuschmeicheln, bedürfte es eines derartigen geistigen Aufwandes ebenfalls nicht - hier würden Ansätze einer anderen Tschetschenienpolitik oder ein verbales Eintreten für die Pressefreiheit erheblich mehr Eindruck machen. Man kann daher davon ausgehen, daß die im folgenden dargestellten und analysierten Äußerungen Putins seine tatsächliche Meinung wiedergeben.

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