Der Wissenschaftler und Publizist Jaroslav Sonka war perplex, als er im Info-Radio Berlin die Ankündigung des Moderators hörte, 1860 München werde im Fußball-UEFA-Cup gegen die tschechische Mannschaft Petra Drnovice oder so spielen. Es war das "Oder so", das ihn aufhorchen ließ. Denn der Moderator habe sagen wollen, dass er von diesem tschechischen Verein nichts wisse, trug Sonka auf einem Deutsch-Tschechischen Diskussionsforum vor. Und vermutlich war der Moderator des Senders, der auf seine journalistische Kompetenz große Stücke hält, nicht einmal beschämt darüber, dass er mit dem Stadtnamen nichts anfangen kann. So furchtbar viel hatten sich Tschechen und Deutsche in den vergangenen Jahren nicht zu sagen. Und großes Interesse an der Tschechischen Republik kann man den Bundesbürgern schlecht attestieren. Vielleicht verhält es sich bei ähnlich kleinen Staaten, wie zum Beispiel den Niederlanden oder Belgien, genauso, doch zumindest sind die Beziehungen zu ihnen von professioneller Nüchternheit geprägt - normal eben. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien bleiben auf ein Thema beschränkt - eindimensional-emotional möchte man fast sagen: Sudetendeutsche. Was darüber hinaus passiert, findet kaum Beachtung.
Gegründet einst zur Lehrerfortbildung, hat sich das Goethe-Institut inzwischen längst von der anfänglichen politischen Engführung emanzipiert. Nun allerdings droht der Kultur in Zeiten neuer Machtpolitik als global wirksamer »Soft Power« eine nationalistische Wende.