Der Wissenschaftler und Publizist Jaroslav Sonka war perplex, als er im Info-Radio Berlin die Ankündigung des Moderators hörte, 1860 München werde im Fußball-UEFA-Cup gegen die tschechische Mannschaft Petra Drnovice oder so spielen. Es war das "Oder so", das ihn aufhorchen ließ. Denn der Moderator habe sagen wollen, dass er von diesem tschechischen Verein nichts wisse, trug Sonka auf einem Deutsch-Tschechischen Diskussionsforum vor. Und vermutlich war der Moderator des Senders, der auf seine journalistische Kompetenz große Stücke hält, nicht einmal beschämt darüber, dass er mit dem Stadtnamen nichts anfangen kann. So furchtbar viel hatten sich Tschechen und Deutsche in den vergangenen Jahren nicht zu sagen. Und großes Interesse an der Tschechischen Republik kann man den Bundesbürgern schlecht attestieren. Vielleicht verhält es sich bei ähnlich kleinen Staaten, wie zum Beispiel den Niederlanden oder Belgien, genauso, doch zumindest sind die Beziehungen zu ihnen von professioneller Nüchternheit geprägt - normal eben. Die Beziehungen zwischen Deutschland und Tschechien bleiben auf ein Thema beschränkt - eindimensional-emotional möchte man fast sagen: Sudetendeutsche. Was darüber hinaus passiert, findet kaum Beachtung.
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.