Ausgabe August 2002

Glückwunsch

"Bild" war wieder Thema Nr. 1. "Die Konkurrenz feiert Europas größte Zeitung", schrieb das "Hamburger Abendblatt" anlässlich des 50. Geburtstags der Boulevardzeitung aus dem eigenen Verlag und zählte dann auf, was andere schreiben die "wirklich nicht der 'Bild'-Sympathie verdächtige kleine Konkurrenz", die taz zum Beispiel: Da sei "Bild" "nicht mehr das Revolverblatt, da ist 'Bild' plötzlich Deutschland, Heimat". Zwar titele die taz: "Bild wird 50. Jetzt reicht's", aber die Gestaltung ihrer Seite 1 im "Bild"Stil ähnele fast schon einer Huldigung. Auch andere Blätter, meint das "Abendblatt", hätten ihre Meinung über "Bild" revidiert: "Wie sich doch die Zeiten ändern. 'Haudrauf-Blatt', 'Schmutzzeitung', 'Kampfblatt', 'Blödzeitung' - die negativen Charakterisierungen der 'Bild'-Zeitung sind Legion. Und heute, zum 50. Geburtstag der größten Boulevard-Zeitung Europas? Heute wird gefeiert, von der 'taz' bis zur 'FAZ', von der 'Zeit' bis zur 'Süddeutschen', von der 'Frankfurter Rundschau' bis zur 'Neuen Zürcher Zeitung'."

Die Behauptung ist leider nicht einmal übertrieben: Die "Bild"Zeitung ist gesellschaftsfähig geworden.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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