Ausgabe Januar 2003

Schlussstrich-Politik

Die Zeit der materiellen Leistungen sei vorbei, eine moralische Verantwortung aber bleibe bestehen. In diese Worte fasste Graf Lambsdorff, Beauftragter der Bundesregierung bei den Verhandlungen über das Abkommen für NS Zwangsarbeiterinnen und NS-Zwangsarbeiter, bei der Verabschiedung des Stiftungsgesetzes den künftigen Kurs in Entschädigungsfragen. Größtes Problem bei der Durchsetzung dieser Politik schien der Klageschutz vor US-amerikanischen Gerichten zu sein. Deshalb wurde die Bundesregierung sogar beauftragt, dem Parlament halbjährlich hierüber zu berichten.

Aber es gab auch etliche andere Fragen, die offen geblieben waren und denentschädigungspolitischenSchlussstrich gefährdeten. Zu den aufsehenerregendsten gehörten die Forderungen griechischer NS-Opfer. Die Massakeropfer aus dem Dorf Distomo hatten sogar ein rechtsgültiges Urteil erwirkt, das die Bundesrepublik zur Zahlung von rund 28 Mio. Euro verpflichtete. Als Berlin sich mit Verweis auf das Prinzip der Staatenimmunität weigerte, das Urteil anzuerkennen, setzte ein zähes Ringen um die Eintreibung der Summe ein. Seinen viel beachteten Höhepunkt fand es im Versuch der Kläger, das Athener Goethe-Institut pfänden und versteigern zu lassen.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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