Ausgabe September 2003

Die Weltölmärkte und die Okkupation des Irak

Der von George W. Bush entfachte Irakkrieg, der zum Sturz des Regimes führte, wird weithin als ein Ölkrieg betrachtet – als Griff nach den zweitgrößten Erdölreserven der Welt. Diese Auslegung bestätigte sich für viele, als die Vereinigten Staaten eine UN-Resolution durchsetzten, die der amerikanischbritischen Besatzungsmacht die Kontrolle über die Verwendung der irakischen Öleinnahmen zuspricht. Zweifelsohne geht Washington davon aus, dass ausländische Konzerne beim Ausbau des irakischen Ölsektors eine wichtige Rolle spielen werden – eine Vorstellung, die es mit ranghohen Funktionären des Irakischen Ölministeriums teilt. Doch die Absicht, das irakische Öl zu "kontrollieren", hatte in den Kriegsplanungen der Bush-Regierung vor allem strategische und nicht bloß kommerzielle Bedeutung. Die Falken in Washington sahen in einem mit den USA verbündeten Irak eine Alternative zu Saudi- Arabien als wichtigstem Öllieferanten. Auch dachten sie, eine gesteigerte irakische Produktion würde zu langfristig niedrigeren Ölpreisen führen, mit der Folge, dass Saudi-Arabien und andere Öl produzierende Golfstaaten unter finanziellen Druck gerieten und somit zu wirtschaftlichen und politischen Reformen gezwungen wären, um Aufstände im Land zu vermeiden.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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