Lateinamerikas Wirtschaftsdaten, daran ist nicht zu rütteln, sind mager. Trotzdem kann man sie optimistisch interpretieren. Am obszönsten agiert diesbezüglich "Latin Finance", die sündteure, in Miami edierte Monatszeitschrift, die in Hochglanz die lateinamerikanischen Konjunkturzyklen beobachtet und ein wichtiges Börsenthermometer für die Region abgibt: Zwar werden von den Redakteuren immer wieder Stolpersteine wahrgenommen, aber die Vorausschau fällt unweigerlich glänzend aus. Optimismus strahlt beständig auch die Jahrestagung der Interamerikanischen Entwicklungsbank aus, auf deren sybaritischen Empfängen – zuletzt im März 2003 in Mailand – das Licht des lateinamerikanischen Kontinents glüht. Sogar der neueste "Bericht über die menschliche Entwicklung 2003" der UNDP, Anfang Juli in Wien vorgestellt, der nicht umhin kann, weltweit in 54 Ländern einen deutlichen Einkommensrückgang festzustellen, verpackt den Optimismus attraktiv in die Millenniums- Entwicklungsziele, wonach bis 2015 extreme Armut und Hunger auf dieser Welt zu beseitigen sind. Barbados, mit Platz 27 auf der Weltrangliste dieses Reports das erfolgreichste lateinamerikanische Land, schafft auf nationaler Ebene dieses Ziel fast schon heute (und liegt damit nicht weit hinter dem Platz 18 Deutschlands).
Seit März regiert in Chile José Antonio Kast – und damit erstmals seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie ein Vertreter der Ultrarechten und Bewunderer des ehemaligen Diktators Augusto Pinochet, der das Land von 1973 bis 1990 beherrschte.