Lateinamerikas Wirtschaftsdaten, daran ist nicht zu rütteln, sind mager. Trotzdem kann man sie optimistisch interpretieren. Am obszönsten agiert diesbezüglich "Latin Finance", die sündteure, in Miami edierte Monatszeitschrift, die in Hochglanz die lateinamerikanischen Konjunkturzyklen beobachtet und ein wichtiges Börsenthermometer für die Region abgibt: Zwar werden von den Redakteuren immer wieder Stolpersteine wahrgenommen, aber die Vorausschau fällt unweigerlich glänzend aus. Optimismus strahlt beständig auch die Jahrestagung der Interamerikanischen Entwicklungsbank aus, auf deren sybaritischen Empfängen – zuletzt im März 2003 in Mailand – das Licht des lateinamerikanischen Kontinents glüht. Sogar der neueste "Bericht über die menschliche Entwicklung 2003" der UNDP, Anfang Juli in Wien vorgestellt, der nicht umhin kann, weltweit in 54 Ländern einen deutlichen Einkommensrückgang festzustellen, verpackt den Optimismus attraktiv in die Millenniums- Entwicklungsziele, wonach bis 2015 extreme Armut und Hunger auf dieser Welt zu beseitigen sind. Barbados, mit Platz 27 auf der Weltrangliste dieses Reports das erfolgreichste lateinamerikanische Land, schafft auf nationaler Ebene dieses Ziel fast schon heute (und liegt damit nicht weit hinter dem Platz 18 Deutschlands).
In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.