Politisch unverdächtig lässt sich in Deutschland über nationale Identität sprechen, indem man ideologiekritisch die divergierenden Interessen hinter dem Anschein des Gemeinsamen entlarvt oder im Hinblick auf den Holocaust das Bewusstsein einer negativen Täter-Identität wachhält. Sich auf eine nicht negative Identität anders als ideologiekritisch besinnen zu wollen, zieht folglich einen Irrationalismusverdacht auf sich. Trotzdem mehren sich Bemühungen, einen mit der Wiedervereinigung zurückgewonnenen Spielraum des "Normalen" öffentlich auszuloten, zu dem auch eine zumindest nicht nur negative Identität gerechnet wird. So verbanden sich mit den Stichworten der "deutschen Leitkultur" oder des "Nationalstolzes" (wenig geglückte) Versuche, einer positiven nationalen Identität eine größere Rolle im politischen Bewusstsein zu verschaffen, wie dies schon mit der Suche nach "zustimmungsfähigen Inhalten" zur Zeit des Historikerstreites der Fall gewesen war. Außer auf positive Selbstverständnisse zielt der Normalitätsanspruch auch darauf, den Zweiten Weltkrieg stärker als zuvor aus der Perspektive selbst erlittenen Unrechts zu vergegenwärtigen.
Kaum ein Konflikt ist hierzulande so stark mit Emotionen verbunden wie jener im Nahen Osten. An Palästina scheiden sich die Geister und erhitzen sich die Gemüter.