Ausgabe Dezember 2003

Nonproliferation: Herausforderung für Europa

Bilanziert man die europäischen Nonproliferationsbemühungen, fällt das Urteil wenig befriedigend aus – gerade was die Politik gegenüber Staaten der sogenannten "Achse des Bösen" anbelangt.

Im Irak ist eine friedliche Abrüstungspolitik nach zwölf Jahren der zögerlichen Umsetzung des UNSCOM-Regimes auch deshalb gescheitert, weil sich die europäischen Staaten nicht rechtzeitig auf eine friedliche und glaubwürdige Alternative zum Krieg einigen konnten.

Die Folge des Krieges ist auch ein geschwächtes Nichtverbreitungsregime, dessen einstige Protagonisten in den USA und Großbritannien nun der Aufbauschung und Instrumentalisierung (angeblicher) irakischer ABC-Waffenprogramme geziehen werden.

Im Konflikt um die nordkoreanischen Kernwaffen- und Trägersystemprogramme hat sich die Europäische Union praktisch vollständig zurückgezogen. Mit der Entscheidung für die Suspendierung des KEDO-Projektes für ein Jahr wurde China und den USA als den Hauptakteuren in den Sechs-Parteien- Gesprächen das Feld überlassen. Gleichzeitig wirken jedoch wichtige Mitgliedstaaten der Union (unter anderem die Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien und Italien) an der im Mai 2003 von der Bush-Administration initiierten Proliferation Security Initiative mit, die einer weiteren Eskalation auf der koreanischen Halbinsel den Boden bereitet.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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