Ausgabe September 2004

Zölibatärer Tunnelblick

Ende Juli dieses Jahres sorgte eine Verlautbarung aus dem Vatikan für weltweite Aufregung. Unerwartet und ohne die sonst üblichen inoffiziellen Vorankündigungen veröffentlicht, wurden die Aussagen der Kongregation für die Glaubenslehre in der Presse und unter Frauen heftig diskutiert. Dabei handelte es sich beim "Schreiben an die Bischöfe der Katholischen Kirche über die Zusammenarbeit von Mann und Frau in der Kirche und in der Welt"1, approbiert und zur Veröffentlichung angeordnet von Papst Johannes Paul II, bloß um einen Brief von alten Männern an alte Männer, auch wenn, wie von Radio Vatikan stolz berichtet, bei der Abfassung eine Frau mitgearbeitet haben soll.

Der Papst ist in den mehr als 25 Jahren seines Pontifikats nicht müde geworden, in vielen Schreiben und Ansprachen über die Würde und Bestimmung der Frau mit Unterstützung der Glaubenskongregation und ihres Präfekten, Joseph Kardinal Ratzinger, nachzudenken und zu meditieren. Aus diesen früheren Ergüssen wird im neuesten Schreiben über Mann und Frau immer wieder zitiert. So ist es nicht verwunderlich, wenn entgegen der Ankündigung im Titel der Anteil des Mannes an der Zusammenarbeit der Geschlechter eigentlich gar nicht vorkommt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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