Ausgabe Juli 2005

Gender Mainstreaming: Vom radikalen Gedanken zur technokratischen Umsetzung

Gender Mainstreaming ist ein umfassendes Konzept zur Integration der Geschlechterperspektive in alle politischen Handlungsprozesse. Es hat seinen Ursprung in der internationalen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Gender Mainstreaming ist ein umfassendes Konzept zur Integration der Geschlechterperspektive in alle politischen Handlungsprozesse. Es hat seinen Ursprung in der internationalen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. In sich wandelnden asiatischen und afrikanischen Gesellschaften wurde bereits in den 70er Jahren deutlich, dass Frauen oft die Verliererinnen von Modernisierungsprozessen waren und nachhaltige Entwicklung ohne die gleichberechtigte Einbeziehung von Frauen nicht funktioniert. Nahe liegend ist also der Gedanke, die Situation und die Bedürfnisse von Frauen in alle entwicklungspolitischen Handlungsfelder zu integrieren, gleich, ob es um Saatgutentwicklung, Bevölkerungspolitik oder Straßen- und Brunnenbau geht. Die auf der Vierten UNO-Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking verabschiedete Aktionsplattform unterstützte daher die Strategie des Gender Mainstreaming ausdrücklich. Die Lebenssituationen von Männern und Frauen unterscheiden sich auch in Industriegesellschaften erheblich. Trotz Frauenbewegung, Frauenministerinnen und Gleichstellungsämtern kann von Gleichberechtigung keine Rede sein; Gleichstellungsgesetze, Frauenförderrichtlinien und Quotierungsvorschriften wirken allenfalls kompensatorisch.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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