Ausgabe November 2006

Ein Sieg, zwei Niederlagen

Zwei der drei Kriege, die George W. Bush nach dem 11. September 2001 anfing, haben sich in blutige Versionen des social engineering verwandelt und sind unmöglich zu „gewinnen“.

Der dritte besteht in seinem Angriff auf die verfassungsmäßige Regierungsweise der Vereinigten Staaten, dem zwar eingewurzelte Unarten wie politische Paranoia, Konformismus und das Schüren von Ängsten den Boden bereiten, der jedoch neuartige, sinistre Züge trägt: zum einen die geradezu krankhafte Obsession, Menschen zu foltern; sie willkürlich einzukerkern (amerikanische Staatsbürger inbegriffen); und zum anderen die entschlossene Außerkraftsetzung jenes uralten Rechtsprinzips, das Freiheit verbürgt: habeas corpus.

Bushs Regierung behauptet, die Herausforderung von Justiz und Kongress sei durch die Verfassung implizit gedeckt. Seine Ansprüche und Praktiken schaffen Präzedenzfälle und stoßen dabei praktisch auf keinerlei wirksamen Widerstand im Kongress oder den Mainstream-Medien. Bush ist im Begriff, diesen Krieg zu gewinnen.

Die Bush-Administration hat einen nationalen Notstand als Anlass dazu genutzt, in Afghanistan und im Irak einzumarschieren.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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