Ausgabe Mai 2007

Studiengebühren contra Föderalismusreform

Nach langen Verhandlungen trat im September vergangenen Jahres die erste Stufe der Föderalismusreform in Kraft. Bekanntlich war die Föderalismus- Kommission im Dezember 2004 zunächst gescheitert, weil über die Neuordnung der Bildungskompetenzen zwischen Bund und Ländern keine Einigung erzielt werden konnte. Ziel der Reform, über deren zweite Stufe derzeit verhandelt wird,1 ist die Entflechtung von Bundes- und Landesangelegenheiten: Einerseits soll die Macht des Bundesrates im Hinblick auf die Gesetzgebung eingedämmt werden; andererseits sollen die Länder Kompetenzen erlangen, die bisher dem Bund zustanden.

Tatsächlich sind durch die Föderalismusreform die Gewichte deutlich verschoben worden – nämlich hin zu größerer Souveränität der Länder gegenüber dem Bund, auch in finanzieller Hinsicht. Diese Schwerpunktverlagerung ist symptomatisch für eine Situation, in der die Staatseinnahmen systematisch ausgetrocknet werden. Gleichzeitig wird ein Wettstreit um die restlichen Mittel forciert, der gesamtgesellschaftliche politische Gestaltung immer schwieriger macht.

Hinter dieser Strategie steckt das Konzept des „Wettbewerbsföderalismus“: Dabei sollen die Länder mit unterschiedlichen politischen Konzeptionen um die beste Politik konkurrieren oder – weniger euphemistisch formuliert – um die besten Standortvorteile für die Wirtschaft.

Diese Abkehr vom bisherigen Prinzip des kooperativen Föderalismus hat dramatische Konsequenzen.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fortschrittsfalle KI

von Roberto Simanowski

Unbemerkt von den meisten verschiebt sich die Macht vom Menschen zur Maschine. Erste Studien bezeugen: Der Mensch wird dümmer durch KI. Je mehr er sie als Hilfsmittel nutzt, umso geringer seine kognitive Aktivität und schließlich seine Fähigkeit zum kritischen Denken.

Drei Millionen ohne Abschluss: Was tun?

von Maike Rademaker

Die Zahl war lediglich einen Tag lang einige Schlagzeilen wert: Rund 2,9 Millionen junge Menschen zwischen 20 und 34 Jahren hierzulande haben keinen Berufsabschluss. Maike Rademaker analysiert Gründe und Lösungsansätze.