Ausgabe Juni 2007

Globalisierung und Geschlecht

Über neoliberale Strategien zur Gleichstellung

In den internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die seit den 70er Jahren Vorreiter für frauenpolitische Maßnahmen waren, hat sich eine „Gender-Müdigkeit“ breitgemacht. Gender Mainstreaming als Strategie, die einen geschlechterdifferenzierenden Ansatz in allen Institutionen und politischen Ressorts verankern soll, hat Geschlechterpolitik als Verfahren institutionalisiert – und gleichzeitig entpolitisiert. Frauenbewegungen sind fragmentiert und meist leise geworden. Ihr Fazit zur Umsetzung der Beschlüsse der Vierten Weltfrauenkonferenz von Peking im Jahre 19951 ist ambivalent: Während viele Länder zivile und politische Rechte von Frauen, vor allem auch den Schutz vor Gewalt, in ihrer Gesetzgebung festschrieben, gerieten soziale und wirtschaftliche Rechte durch die global verschärfte Standortkonkurrenz, Sparzwänge im öffentlichen Sektor und Finanzmarktkrisen zunehmend unter Druck.2

Trotzdem werden Frauen immer wieder als die Job-Gewinnerinnen der Globalisierung gefeiert. Tatsächlich verändert die globale Restrukturierung der Wirtschaft die Geschlechterrollen. Doch empirische Daten stellen in Zweifel, ob dies einen signifikanten Mehrwert für Geschlechtergerechtigkeit gebracht hat.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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