Ausgabe Juni 2007

Globalisierung und Geschlecht

Über neoliberale Strategien zur Gleichstellung

In den internationalen Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, die seit den 70er Jahren Vorreiter für frauenpolitische Maßnahmen waren, hat sich eine „Gender-Müdigkeit“ breitgemacht. Gender Mainstreaming als Strategie, die einen geschlechterdifferenzierenden Ansatz in allen Institutionen und politischen Ressorts verankern soll, hat Geschlechterpolitik als Verfahren institutionalisiert – und gleichzeitig entpolitisiert. Frauenbewegungen sind fragmentiert und meist leise geworden. Ihr Fazit zur Umsetzung der Beschlüsse der Vierten Weltfrauenkonferenz von Peking im Jahre 19951 ist ambivalent: Während viele Länder zivile und politische Rechte von Frauen, vor allem auch den Schutz vor Gewalt, in ihrer Gesetzgebung festschrieben, gerieten soziale und wirtschaftliche Rechte durch die global verschärfte Standortkonkurrenz, Sparzwänge im öffentlichen Sektor und Finanzmarktkrisen zunehmend unter Druck.2

Trotzdem werden Frauen immer wieder als die Job-Gewinnerinnen der Globalisierung gefeiert. Tatsächlich verändert die globale Restrukturierung der Wirtschaft die Geschlechterrollen. Doch empirische Daten stellen in Zweifel, ob dies einen signifikanten Mehrwert für Geschlechtergerechtigkeit gebracht hat.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Fossilistischer Kolonialismus

von Friederike Otto

Die Erderhitzung vernichtet schon heute weltweit die Lebensgrundlagen vieler Menschen – allen voran jener, die ohnehin benachteiligt sind. Wir müssen die Klimakrise auch als Gerechtigkeitskrise begreifen – und die ihr zugrundeliegenden Machtstrukturen transformieren.

Globales Elend und die Diktatur der Superreichen

von Ute Scheub

Sie düsen in Privatjets um die Welt, um Immobilien und Konzernketten an sich zu reißen. Sie kaufen ganze Landschaften und Inseln, um sich dort im größten Luxus abzukapseln. Sie übernehmen Massenmedien, um sich selbst zu verherrlichen und gegen Arme und Geflüchtete zu hetzen.