Ausgabe August 2007

Die Kirche und die Schuld

Für Walter Kreck, ehemaliger Theologieprofessor in Bonn und Mitherausgeber der „Blätter“, war es „die mutigste kirchliche Stellungnahme der Nachkriegszeit“1: Das Darmstädter „Wort zum politischen Weg unseres Volkes“, vom Bruderrat der Evangelischen Kirche in Deutschland am 8. August 1947 verabschiedet. Doch diese mutige Stellungnahme wurde – das musste schon Kreck vor 20 Jahren einräumen, und es gilt heute noch viel mehr – „jahrzehntelang fast völlig verdrängt“.

Worum ging es ?2 Der Bruderrat, also das alte Leitungsorgan der Bekennenden Kirche, hat mit dem Darmstädter Wort politische Irrwege benannt. Durch den ersten Abschnitt bekam der Text den Charakter eines Schuldbekenntnisses: „Uns ist das Wort von der Versöhnung der Welt mit Gott in Christus gesagt. Dies Wort sollen wir hören, annehmen, tun und ausrichten. Dies Wort wird nicht gehört, nicht angenommen, nicht getan und nicht ausgerichtet, wenn wir uns nicht freisprechen lassen von unserer gesamten Schuld, von der Schuld der Väter wie von unserer eignen, und wenn wir uns nicht durch Jesus Christus, den guten Hirten, heim rufen lassen auch von allen falschen und bösen Wegen, auf welchen wir als Deutsche in unserem politischen Wollen und Handeln in die Irre gegangen sind.“

Darauf folgt ein viermaliges „Wir sind in die Irre gegangen“.

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