Ausgabe August 2007

Überwachte Kinder

Großbritannien - Vom Wohlfahrtsstaat zum Risikomanagement

Geht es nach den Plänen der Kultusministerkonferenz, wird in der Bundesrepublik im Herbst 2008 ein nationales Bildungsregister eingeführt. In dieser umfangreichen Datenbank sollen weitreichende Informationen über jeden einzelnen Schüler gespeichert werden. Datenschützer warnen bereits vor dem „gläsernen Schüler“ und befürchten, dass sensible Daten missbraucht werden könnten. Denn in dieser Schülerdatenbank sollen alle Kinder mit einer Identitätsnummer registriert und relevante Daten über ihren Lebensweg gesammelt werden – vom Kindergarten über den Schul-, Ausbildungsoder Hochschulabschluss bis zum Einstieg in das Berufsleben. Dabei werden Schulwechsel, absolvierte Abschlüsse, Sitzenbleiben und andere Schulprobleme, Angaben über das Elternhaus, Herkunftsland der Familie, die zu Hause gesprochene Sprache usw. erfasst – vorgeblich mit dem Ziel, vor allem die Probleme der Kinder mit Migrationshintergrund zu analysieren. Datenschützer bezweifeln aber, dass die versprochene Anonymität mittels einer ID-Nummer tatsächlich gewährleistet werden kann, da diesem zentralen Register jahrelang persönliche Bildungsdaten des Schülers zugewiesen werden, die er dann von Schule zu Schule mit sich schleppt und die ihn eindeutig identifizieren. Es sei nicht auszuschließen, dass Daten zweckentfremdet und von den Sicherheitsbehörden genutzt würden, um beispielsweise terrorverdächtige Väter ausländischer Familien aufzuspüren.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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