Ausgabe Mai 2008

Studienhonorar statt Studiengebühren

Sieben von 16 Bundesländern haben im vergangenen Jahr allgemeine Studiengebühren eingeführt. Aber ob diese Entwicklung ein vorübergehendes Strohfeuer bleibt oder zu einem bundesweiten Flächenbrand führt, ist immer noch offen. Denn nicht nur im Hessischen Landtag, sondern auch im Bundestag gibt es eine rechnerische Mehrheit für ein gebührenfreies Hochschulstudium. Und seit der Föderalismusreform verfügt der Bund über die Gesetzgebungskompetenz zur Regelung der Hochschulzulassung. Studiengebühren sind also nicht alternativlos – weder politisch noch rechtlich.

Doch was sind die Alternativen zu Studiengebühren? Etwa Studierende auf eine andere, vermeintlich sozialverträglichere Weise zur Kasse zu bitten, einkommensabhängig und erst nach Abschluss ihres Studiums? Genau das beinhalten die meisten Vorschläge, die angeblich „alternative“ Wege beschreiten möchten – so auch die Forderung einer „Akademikersteuer“ oder jüngst die Koalitionsvereinbarung zwischen CDU und der Grün-Alternativen Liste in Hamburg.1 Diese sieht vor, dass ab dem kommenden Wintersemester Studiengebühren in Höhe von 375 Euro erst nach dem Studium und ab einem Mindesteinkommen von 30 000 Euro gezahlt werden sollen.

Im Kern geht es dabei immer darum, Studierende auch an den institutionellen Kosten der Hochschulbildung zu beteiligen – und dies, obwohl sie bereits ganz überwiegend für die individuellen Kosten ihres Lebensunterhalts verantwortlich sind.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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