Ausgabe August 2008

Vom Schmelztiegel zur Armee der Randgruppen

Streitkräfte und Staatsideologie in Israel

Vor zwei Jahren, am 14. August 2006, endete der zweite Libanonkrieg. Seit dem Waffenstillstandsabkommen versucht die israelische Regierung, ihr Versprechen einzulösen, alle von den Hisbollah-Milizen verschleppten Soldaten nach Hause zu holen. Insbesondere Premierminister Ehud Olmert weiß: Sein politisches Überleben hängt nicht zuletzt von der Rückkehr der Gefangenen ab.

Die Bevölkerung nimmt großen Anteil an den Schicksalen der Vermissten, jeder Israeli kennt die Soldaten beim Namen. Die Fotos der jungen Männer finden sich nicht nur regelmäßig auf den Titelseiten israelischer Tageszeitungen. Auch an den Heckscheiben vieler Autos mahnt ein Aufkleber in den israelischen Farben: „Lasst nicht Gleichgültigkeit sie töten“, daneben die Gesichter der drei vermissten Soldaten Ehud Goldwasser, Eldad Regev und Gilad Shalit. Breite Anteilnahme am Schicksal der Soldaten ist in Israel nichts Ungewöhnliches. Schließlich befindet sich das Land seit über 60 Jahren immer wieder im Konflikt mit seinen Nachbarstaaten. Die Armee gehört daher zum Alltag der israelischen Gesellschaft.

Einerseits lassen sich die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (Israel Defense Forces, IDF) als großer bürokratischer Apparat begreifen, der vor allem eigene Interessen verfolgt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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