Ausgabe Februar 2009

Die Zukunft der Emanzipation

Von der Familien- zur Gesellschaftspolitik

Ein dreiviertel Jahr vor der Bundestagswahl im September sind die Wahlgeschenke an Familien bereits verteilt: Zum 1. Januar 2009 wurden das Kindergeld erhöht und der steuerliche Kinderfreibetrag angehoben. „Familiennahe“ Dienstleistungen können in höherem Umfang als bisher steuerlich abgesetzt werden. Auch Schulgeld für Privatschulen darf jetzt bis zu einer Höhe von 5000 Euro jährlich steuerlich geltend gemacht werden.

Darüber hinaus ist im Rahmen des zweiten Konjunkturprogramms der Bundesregierung unter anderem ein Gutschein von 100 Euro pro Kind vorgesehen. Profitieren dürften Familien, zumindest solche aus der Mittelschicht, in geringem Umfang auch von den vorgesehenen Steuererleichterungen.

Während die Familien also von der Politik viel umworben werden, ist es um die Situation der Frauen – trotz mancher „Alpha-Mädchen“ – deutlich stiller geworden. Woran liegt das?

Eine mögliche Antwort auf diese Frage liegt auf der Hand: Frauen in der Bundesrepublik unterliegen heutzutage qua Geschlecht keiner legalen, offenen Fremdbestimmung mehr – weder in ihren privaten Lebensverhältnissen, noch in ihrer Stellung in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft. Entsprechende Bestimmungen im Straf-, Zivil- und Arbeitsrecht wurden in den letzten Jahrzehnten schrittweise beseitigt.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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