Ausgabe Januar 2010

Mit der Bibel gegen Darwin

Der Aufstieg des Kreationismus

Charles Darwins „Über die Entstehung der Arten“ gilt heute als eines der wichtigsten Werke der Wissenschaft. Es revolutionierte nicht nur das Selbstverständnis der damaligen Naturforschung, sondern auch das Welt- und Selbstbild der Moderne. Begleitet von den epochalen Umbrüchen des 19. Jahrhunderts wurde die Evolutionstheorie zur Grundlage der modernen Biologie. Auch über die Naturwissenschaften hinaus greifen verschiedenste Forschungszweige längst auf Darwins Überlegungen zurück. Insbesondere in den Sozialwissenschaften werden die neuesten Erkenntnisse der Evolutionsforschung in den Kontext kultureller und sozialer Prozesse mit einbezogen. 1

Dennoch spaltet die Darwinsche Revolution bis heute die Gesellschaft. Dies überrascht zunächst einmal nicht, stellt doch die Evolutionsbiologie die Vorstellung einer übernatürlichen Schöpfung ebenso in Frage wie die herausragende Stellung des Menschen. Anders als die meisten naturwissenschaftlichen Disziplinen berührt die Biologie damit explizit das persönliche, weltanschaulich geprägte Deutungsmuster der Menschen.

Beschränkte sich die Evolutionsbiologie lange Zeit darauf, Antworten im Hinblick auf das „survival of the fittest“ in der belebten Natur zu geben, drängt die moderne Evolutionsbiologie in den Bereich der Religionen vor und stellt Fragen, die lange Zeit als wissenschaftliches Tabu galten.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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