Ausgabe April 2010

Sudan: Wahlen ohne Demokratie

Nur eine Woche, nachdem die sudanesische Regierung in Khartum den Friedensschluss mit der militärisch stärksten Rebellengruppe in Darfur, der Bewegung für Gleichheit und Gerechtigkeit (JEM), verkündete, flammten Anfang März die Kämpfe in der Region bereits wieder auf. Dabei sollen im April d.J. die ersten Mehrparteienwahlen im Land stattfinden, seit der ehemalige LeutnantOmar Hassan Ahmed al-Baschir im Jahr 1989 durch einen Militärputsch an die Macht gelangte und ein islamisch-fundamentalistisches Regime errichtete.

Dass die Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen überhaupt zustande kommen, liegt daran, dass sie Bestandteil des Friedensabkommens sind, das im Jahr 2005 den langjährigen Krieg zwischen der Regierung im Norden und den Rebellen im Süden des Landes beendete. Für Baschir und seine Partei sollen die Wahlen vor allem der Legitimation der Regierungsmacht dienen – und damit zugleich helfen, den vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) angeklagten Präsidenten aus der Schusslinie zu nehmen.

Die Sudanesische Volksbefreiungsbewegung (SPLM), die im Süden des Landes regiert, hat ihrerseits den Widerstand gegen die Wahlen, den sie unter anderem mit der Nichtanerkennung der Zensusergebnisse von 2008 begründete, inzwischen aufgegeben. Jetzt betrachtet die SPLM die Wahlen vor allem als einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Referendum im Januar 2011.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.