Ausgabe Juni 2010

Volkswirtschaftslehre im Dornröschenschlaf

In der deutschen Volkswirtschaftslehre liegt vieles im Argen. Die globale Wirtschaftskrise stellt nicht nur das materielle, sondern auch das methodische Fundament der Volkswirtschaft radikal in Frage. Über Jahrzehnte dominierten Modellplatonismus, Überbetonung der mikroökonomischen Fundierung und die Vernachlässigung gesamtwirtschaftlichen Denkens. In blindem Vertrauen auf die Märkte hat der ökonomische Mainstream eine möglichst weit reichende Liberalisierung und den Rückzug des Staates befürwortet. Nun hat die Krise die damit einhergehenden Defizite brutalstmöglich aufgedeckt.

Doch während in den Vereinigten Staaten der Streit über den richtigen Forschungsansatz bereits heftig entbrannt ist, blieb es hierzulande bei einem „Sturm im Wasserglas“. Gewiss, der Beitrag deutscher Volkswirte zur praktischen Beratung der herrschenden Politik hielt sich immer schon in Grenzen. Das gilt insbesondere für die kritischen Ökonomen der „Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik“, aber durchaus auch für den Sachverständigenrat (SVR). Dabei war dieser in den 60er Jahren eigens zur wissenschaftlichen Rückkoppelung der Politik eingerichtet worden.

Besonders brüskiert haben muss die „Fünf Weisen“ des SVR die Reaktion auf ihr jüngstes Jahresgutachten.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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