Ausgabe August 2010

Nestbeschmutzer von Rang

„Mein Krieg“, „Mein ärgerliches Vaterland“, beide bei Aufbau, und „Rosemarie. Des deutschen Wunders liebstes Kind“, bei Rotbuch – welcher Zeitkritiker kann schon von sich behaupten, dass noch fünf Jahre nach seinem Tod drei seiner Bücher wieder aufgelegt werden und aus Anlass seines 100. Geburtstags eine Wanderausstellung mit seinen Kriegsskizzen und Aquarellen quer durch die Republik gezeigt wird?[1]

Vermutlich nur Erich Kuby alias Alexander Parlach (28. Juni 1910 – 10. September 2005). Von seiner frühen Jugend bis ins hohe Alter hat der schlanke elegante Mann mit den buschigen Augenbrauen und der hellen Stimme Zeitgeschehen kritisch kommentiert, wortgewaltig, voller Ironie und oft in verletzender Schärfe. Er war einer jener streitbaren Intellektuellen, von denen Deutschland ein paar Millionen mehr gebraucht hätte, um sich den Nationalsozialismus und der Menschheit den Zweiten Weltkrieg zu ersparen.

Noch bevor ich Erich Kuby persönlich kennenlernte, wurde mir sein Name in den 50er Jahren durch Entrüstungsstürme zum Begriff, die er durch politische Reden und Zeitungsartikel auslöste. Christdemokraten reagierten entsetzt, weil er Konrad Adenauer wegen dessen Politik der Westanbindung einen „Reichsspalter“ schimpfte.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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