Ausgabe Januar 2011

Liberalisierung auf Kubanisch

Kuba wird privater. Zumindest suggerieren das die geplanten Reformen der revolutionären Führung in Havanna. Der Ankündigung, bis Anfang April 2011 eine halbe Million Staatsangestellte zu entlassen, folgte die Freigabe von 178 Berufen für die Arbeit auf „eigene Rechnung“, wie die Freiberuflichkeit in Kuba genannt wird.

Tatsächlich soll der private Sektor das Gros der Entlassenen aufnehmen. So lautet zumindest das Kalkül der Regierung von Raúl Castro. Eine Rechnung mit vielen Unbekannten: So hat die Regierung weder das Geld, um den neuen Selbstständigen wie angekündigt mit Krediten unter die Arme zu greifen, noch reicht die Zahl der freigegeben Berufe aus, um die Entlassenen aufzunehmen, wie Ökonomen in Havanna monieren.

Für einen weiteren Dämpfer sorgen die enormen Steuersätze, die Kubas Regierung Ende Oktober für die neuen Selbstständigen bekannt gab. Besonders die Landwirtschaft wird davon hart getroffen. Landwirtschaft in Kuba zu betreiben ist ohnehin – ohne den Rückgriff auf harte Devisen und die Unterstützung aus Spenden – ein hartes Geschäft. Selbst einfachste Arbeitsmaterialien wie Handschuhe, Macheten oder Gummistiefel sind kaum zu besorgen. Obwohl mehr als 20 Prozent der Anbauflächen seit Jahrzehnten von privaten Bauern bewirtschaftet werden, gab es in Kuba bisher keinen Markt für derartige Produkte.

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